Apostelwort 6_2025

Der Neujahrstag und die Epiphanias-Zeit

 

Liebe Geschwister in Christo Jesu, unserem Herrn,

 

der vor uns liegende Jahreswechsel übt trotz seines weltlichen Ursprungs eine besondere Faszination auf viele Menschen aus. Es ist eben nicht nur eine Veränderung beim „Datum-Schreiben“, an die man sich erst wieder gewöhnen muss. Viele Menschen nutzen den Jahresausklang für gemeinschaftliche Begegnungen im Großen oder Kleinen und den Start ins neue Jahr für gute Vorsätze. Diese Einstellung oder Lebensart ist sicher nicht verwerflich.

 

Nicht immer bleibt es bei gesegneten Begegnungen am Silvesterabend und auch manch guter Vorsatz ist schnell vergessen. Dann beginnen wir mit der stets in Reserve gehaltenen Argumentation, dass Neujahr über-haupt keinen kirchlichen Bezug hat und stellen auch unseren Gottesdienst zum Neujahrsmorgen gern in Frage …

 

Doch welchen Segen kann uns eine bewusste Hinwendung zum Neujahrstag denn bringen?

 

Ich erinnere mich eines Satzes, den mein Opa in jedem seiner Gebete benutzte – „Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der beste Lebenslauf“. Ich mag diesen Gedanken, auch wenn ich ihn selbst im Wortlaut nicht so verwende. Alles, was vor uns liegt, mit Gott zu beginnen und auch dankbar abzuschließen, sollte mehr sein als nur die Tradition einer aussterbenden Generation. Dieses urapostolische Gedankengut macht mich frei von einer konstruierten, theologischen Betrachtung des Neujahrstages und kann mir helfen, den Segen Gottes für alle Wege zu suchen (im Natürlichen wie auch im Geistlichen). Und ich bin mir sicher, wohin wir gehen, dort will Gott auch sein. Er will bei uns – mehr noch „in uns“ – sein und uns auf allen Wegen begleiten. Was für ein schöner Ausblick ins neue Jahr …

 

Wie gelange ich jedoch an Gottes Segen? Auf welchem Weg wird Gott auch im neuen Jahr an meiner beziehungsweise an unserer Seite sein?

 

Aus eigenem Erleben empfinde ich die Dankbarkeit Gott gegenüber als einen entscheidenden Punkt. Wenn ich mir darüber im Klaren bin, dass ich alles in meinem Leben Gott zu verdanken habe, kann ich nicht anders als dankbar zu sein. Doch es geht mir nicht nur um ein kurz gemurmeltes „Danke, Herr“. Wir sollten uns Zeit fürs Danken nehmen. Nur wenn unser Geist zur Ruhe kommt, kann er sich im lebendigen Danken (und Loben) mit Gott im Heiligen Geist verbinden.

 

Dieses Erkennen weckt aber auch Sehnsüchte in mir. Und das ist vermutlich auch genau so beabsichtigt.

 

Ich möchte im neuen Jahr wie-der Gottes Segen erleben, weil mir bewusst geworden ist, dass darin alles begründet liegt. Im GB-Lied Nr. 373 singen wir: „Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen …“

 

Wäre es nicht ein guter Start ins neue Jahr, wenn wir uns mit Sehnsucht im Herzen auf einen gemeinsamen Gottesdienst mit Gebet, Gesang, Predigt und seinem Segen sowie vielen vertrauten, lieben Geschwistern freuen würden? Wir teilen sicher sehr viele gemeinsame Wünsche; darin sollten wir uns gegenseitig stärken und Mut machen. Ich freue mich beim Gottesdienst zum Neujahrstag mehr über die Geschwister, die ich sehen darf (auch wenn wir uns vielleicht etwas müder fühlen als sonst), als dass ich mich über die ärgere, die nicht da sind.

 

Zusätzlich zum Vorgenannten erinnert sich die Kirche Christi an diesem Tag (8. Tag nach der Geburt) auch an die Beschneidung und Namensgebung Jesu. Der Name Jesus heißt im Hebräischen Jehoschua und bedeutet so viel wie „Gott rettet“. Die Evangelisten und auch die Engel Gottes haben diese Botschaft im Neuen Testament durch berührende Beschreibungen und Bilder für uns festgehalten. Die Frohe Botschaft hatte zum Inhalt: Der Retter ist da! Das gilt noch immer, auch für uns heute.

 

Letztlich bleibt es aber meine Entscheidung, ob ich in allem, was mir Gott heute anbietet, Heil und Rettung für mein Leben erkennen kann.

 

Eigentlich gibt es keinen Grund, sich gegen den Neujahrstag als Feiertag mit Gottesdienst in unserer Kirche zu wehren. Vielmehr sollten wir alles in und unter Gottes Segen suchen und nach seinem Willen an uns heranlassen.

 

Mit der Epiphanias-Zeit verbinden wir ein paar sehr interessante Begebenheiten aus der Bibel – den Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland an der Krippe im Stall von Bethlehem, die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan und das vielleicht sonderbarste Geschehen/Wunder bei der Hochzeit zu Kana, als Jesus das Wasser in den Reinigungskrügen in Wein verwandelte. Jede einzelne dieser Geschichten wäre es wert, sich ausführlich damit zu beschäftigen und dabei tief in die jeweilige Bedeutung einzutauchen. Das wäre nicht nur hilf- und lehrreich, sondern meines Erachtens sogar (heils-) notwendig, um uns die Epiphanias-Zeit zu erschließen. Doch ich bin mir sicher, dass uns dazu die Epiphanias-Sonntage mit ihren Textworten gute Gelegenheiten bieten werden.

 

Immer wieder geht es um die Bedeutung der Aussagen aus der Heiligen Schrift in Bezug auf unser Leben bzw. unsere Gegenwart. Genau an der Stelle, wo die berührenden Geschichten enden, beginnt nämlich unser persönlicher Glaubensweg „als Christ heute in Erscheinung zu treten“. Auch wenn diese Worte nicht mehr zeitgemäß klingen, wissen wir um den darin enthaltenen Auftrag. Gott ist damals durch seinen Sohn in Erscheinung getreten. Jesus erfüllte die prophetischen Worte aus dem Alten Testament und brachte als Christus das Heil für ein ganze Welt. Wir haben heute den Auftrag, den Menschen in unserem Lebensumfeld diese „froh machende Botschaft“ zu bringen und vorzuleben. Es geht um mich persönlich, um uns als Gemeinschaft im Apostelamt Jesu Christi – um eine lebendige Beziehung zu Gott und seinem Sohn. Immer dann treten besondere Dinge in unser Leben, wenn wir eine ganz große Nähe zu Gott haben.

 

Spüren wir nicht im Alltag, dass es viele Menschen gibt, die voller Sorge in diese Zeit schauen und sich ein helfendes Eingreifen Gottes wünschen? Apostel Paulus schreibt dazu im Römerbrief vor 2000 Jahren sinngemäß ähnliche Gedanken: „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.“ (Römer 8, 22). Im Vers 19 hatte er die mögliche Erfüllung so formuliert: „Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.“ Sind wir uns dieses Auftrages bewusst? Wäre es nicht ein umfassender Segen, wenn sich alle Christen gegenseitig stärken und wir als Nachfolger Christi überall sichtbar würden?

 

Zum Abschluss meiner Gedanken will ich aber keine Forderung an andere richten. Vielmehr geht es darum, dass zuerst ich mich ernsthaft bemühe, als apostolischer Christ erkennbar zu sein. Und wenn wir uns dann noch in diesem Geist verbinden, bin ich überzeugt, dass Gott uns seine Kraft zum Vorleben und Weitertragen dieser Botschaft schenkt.

 

Möge uns Gott mit seinem Geist ins Neue Jahr führen.

 

 

Apostel Hardy Grothe

 

 

Apostelwort 5_2025

Advent und Weihnachten – Weihnachten und Advent

Liebe Schwester, lieber Bruder in Christus, unserem Herrn,

 

vielleicht ziehst du gerade beim Lesen der Überschrift etwas gelangweilt die Augenbrauen hoch, weil es wieder, wie in den letzten beiden Jahren auch, um Weihnachten geht. Ja, ich gebe dir sogar Recht, wenn es erneut nur um die Weihnachtsbotschaft geht, die wir sehr ausführlich aus dem Lukas-Evangelium kennen sollten.

Aber wie sieht es mit der geistlichen Betrachtung dieses sehr wichtigen Details in Gottes Heilsplan aus? Welche Bedeutung haben Advent und Weihnachten für uns heute lebende Gläubige?

Der Apostel Paulus schreibt dazu in seinem zweiten Brief an die Korinther: Denn es geschieht alles um euretwillen, auf dass die Gnade durch viele wachse und so die Danksagung noch reicher werde zur Ehre Gottes. Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.
(2. Korinther 4, 15-16)

 Es ist der Menschheit und den Christen in Sonderheit aus ihrem Wissen heraus klar, dass Advent Ankunft heißt und Weihnachten das Geburtsfest unseres Heilandes Jesus Christus ist. So weit, so gut.

Aber wie sagte uns der Herr? „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Johannes 18, 36) Da nun aber das Trachten und das Sinnen der Menschen auf zeitliches Glück und Wohlergehen ausgerichtet ist, feiern sie in der Regel solche festlichen Zeiten doch nur nach Normen und Formen. „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind“ …

Wahre geistliche Werte darin zu finden, das ist nicht vielen gegeben. Die Heilige Schrift sagt uns dazu im Epheserbrief 3, 16: „dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen“ – mit einfachen Worten: Alles soll uns zur Stärkung und Formung des inwendigen Menschen dienen.

Nun liegt die Geburt Jesu bereits ca. 2000 Jahre zurück. Er wurde geboren, hat sich uneingeschränkt in den Dienst Gottes gestellt, hat ihn verklärt und geoffenbart, hat gelitten, wurde gekreuzigt, ist gestorben und wurde begraben. Er ist am dritten Tage auferstanden von den Toten, ist gen Himmel gefahren, von wo er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten. Damit ist rein formell die Ankunfts- bzw. Vorbereitungszeit vor Weihnachten, dem Geburtsfest Jesu, erfüllt. Das heißt, wenn wir heute von einer Advent- und Vorbereitungszeit reden, dann ist doch in erster Linie das Leben im sogenannten zweiten Advent gemeint – wir bereiten uns auf die Wiederkunft Christi vor.

Allerdings ist es von der geistlichen Betrachtung her nicht ganz so einfach.

Und da sind wir bei Weihnachten. Für viele, ja wohl die meisten, Menschen ist das Weihnachtsfest ein Fest der Familie oder auch ein Fest der Liebe. ABER, die Geburt des eingeborenen Sohnes Gottes steht dabei nicht im Mittelpunkt. Ja, man hört und singt Weihnachtslieder, geht auch vielleicht zur Andacht am Heiligen Abend oder in den Gottesdienst am ersten Weihnachtstag, aber das war es dann meistens schon.

Auch im Apostelamt Jesu Christi wird in einigen Gemeinden am zweiten Weihnachtstag kein Gottesdienst mehr gefeiert. Warum eigentlich nicht?

Ansonsten stehen die Geschenke und das gute Essen im Vordergrund. Da darf sich ein jeglicher selber fragen, welche geistlichen Werte brachte mir das Weihnachtsfest. Ist Christus einstens als Erlöser und Heiland im Stall von Bethlehem geboren, so muss er auch in dir und in mir zur Geburt kommen, damit du und ich ein neues Leben, in Christus gewirkt, beginnen können. Das ist in etwa gleichbedeutend mit der Wassertaufe. Unser Leben erfährt eine Abkehr von unserem bisherigen Leben. Durch das Wort Gottes (gleich Wasser) gehen wir den Weg der Buße und des Evangeliums Christi und nehmen zu an Alter, an Weisheit und an Gnade bei Gott und bei den Menschen. Das ist ein Prozess und jeder von uns geht diesen Weg in einer individuellen, und in Formung und Erkenntnis unterschiedlichen, Zeit. Das bedeutet, mein erster Advent, meine erste Vorbereitungszeit endet für mich, wenn Christus in mir geistlich zur Geburt gekommen ist.

Dann erlebe ich auch das Weihnachtsfest in einer inneren Freude und Erkenntnis, die mit den Normen und Formen, wie die Welt dieses Fest begeht, nichts mehr gemein hat. Den von den Engeln verheißenen Frieden darf ich bewusst in meinem Inneren erleben, so dass meine Seele zur Ehre Gottes singt und seinen Namen von Herzen lobt und preist.

Die von Jesus Christus eingesetzten Sakramente, welche die unmittelbarste und innigste Beziehung zu dem neuen Leben haben, welches Gott uns in seinem Sohn gegeben hat, sind neben der Wassertaufe, der lebendig machende Geist (die Heilige Versiegelung) und das Sakrament des Heiligen Abendmahls, wodurch dieses Leben in uns erhalten, gestärkt und erneuert und seine fortwährende Betätigung gesichert wird.

Heute leben wir, die Gemeinde Christi, in der Erwartung der Wiederkunft Christi und bereiten uns darauf in gegenseitiger Erbauung unter Schwestern und Brüdern, getragen von geschwisterlicher Liebe und Eintracht, zu. Gott hat dazu in der Neuzeit wieder Apostel gegeben, mit der Aufgabe, die Braut (also die Gemeinde Christi) auf das Hochzeitsmahl mit dem Bräutigam, unserem Herrn Jesus Christus, vorzubereiten (Offenbarung 19, 7-10). Das nennen wir das Leben im zweiten Advent. Neben den Aposteln hat der Herr auch wieder seine Geistesgaben und die notwendigen Charaktere (Prophet, Evangelist, Hirte) in seiner Gemeinde offenbart. Mit anderen Worten, sie alle sind die Ordnungen, wodurch die wesentliche Güte und Segensfülle, die in Gott ist, der Welt geoffenbart und in den Schoß der Gemeinde Christi gegeben wurde.

Aussagen zur Wiederkunft Christi bzw. zu seinem „Wiederkommen“ können wir in der gesamten Heiligen Schrift, im Alten und im Neuen Testament, an verschiedenen Stellen nachlesen.

Der Herr hat uns dazu auch einige Gleichnisse, wie zum Beispiel das Gleichnis vom Großen Abendmahl (Lukas 14, 15-24) oder das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Matthäus 25, 1-13) gegeben, die auf dieses Ereignis verweisen und für uns Ratgebung und Wegweisung sind.

Jesus sagte seinen Jüngern, dass es unmöglich sei, den Zeitpunkt seiner Wiederkunft zu bestimmen. Er wird zu einer Zeit kommen, da wir es nicht meinen. Daher ist es nicht wichtig, zu wissen, wann er kommen wird, sondern bereit zu sein, wenn er kommt. Sammeln wir daher in dieser Vorbereitungszeit, unserer Gnadenzeit hier auf Erden, die Schätze, die Ewigkeitscharakter haben. Hören und bewahren wir das Wort Gottes (Weisheit) und setzen es um, dann ist Erkenntnis unser Gewinn und durch diese Zeugnisse und gemachten Erfahrungen mit unserem lebendigen Gott wächst unser Glaube. Allein mit Gottes Hilfe können wir bereit sein, egal welche Umstände er zulässt. Er gibt uns die Kraft, die wir brauchen, um Anfechtungen durchzustehen. Deshalb beten wir in guten wie in sorgenvollen Tagen „Dein Reich komme, dein Wille geschehe“ und „Erlöse uns von dem Übel“.

Bleiben wir beständig in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes unter Brüdern und Schwestern, wo die Liebe und die Eintracht wohnen, um uns auf die Wiederkunft unseres Herrn vorzubereiten. Jesus will, dass wir dort sind, wo er ist. Und wir wollen es auch.

Im Namen der Apostelkonferenz wünsche ich euch und euren Lieben eine besinnliche Zeit im Advent und eine gesegnete Weihnachtszeit!

 

Apostel Frank Laeufer

 

 

 

Apostelwort 4_2025

Die Trinitatiszeit

In all den zurückliegenden Feiertagen hat Gott, unser Vater, uns alles gesagt und geschenkt, was zu unserer Errettung und zu unserem ewigen Heil notwendig ist.

Jetzt leben wir in der sogenannten festlosen Zeit. – Gibt es für uns Christen wirklich keinen Grund mehr zum Feiern und zum Danke-Sagen?

Wir glauben an einen dreieinigen Gott; Vater, Sohn und Heiliger Geist sind eins, in dem einen Gott.

Gott hat versucht, es uns Menschen einfach zu machen, ihn in seiner Allmacht und Liebe zu begreifen. Er sandte seinen Sohn, Jesus Christus, auf diese Welt, damit wir in einem Menschen aus Fleisch und Blut Gott in seinem ganzen Wesen und in seiner bedingungslosen Liebe erkennen können.

Christus antwortete auf die Bitte des Philippus, ihm Gott zu zeigen: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ und „Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir, wenn nicht, so glaubt doch um der Werke willen.“ (Johannes 14, 9-11)

Als Christus seinen Auftrag erfüllt hatte und zu seinem Vater zurückging, ließ er seine Jünger nicht allein. Er sandte durch seinen Vater den Heiligen Geist als Tröster und treibende, schöpferische Kraft für seine Jünger. Und das hat bis heute seine wunderbaren Folgen! „Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14, 26)

Der Sohn hat alles vom Vater. Der Heilige Geist empfängt alles vom Vater und von dem Sohn und führt uns in unserem Leben in die Erkenntnis der Wahrheit Gottes durch sein Wort.

Diese drei wirken in untrennbarer Einigkeit und möchten uns Menschen die Nähe unseres Gottes und seines Sohnes verspüren und erleben lassen.

Und damit sind wir mitten in der Trinitatiszeit!

Gottes Wirken in dieser Dreieinigkeit soll auch heute sichtbar und erlebbar werden – für uns, in uns und durch uns.

Nun nützt es uns wenig, nur darüber zu reden. Wir sollen doch ein Tempel Gottes sein! Niemand nimmt uns ernst, allein um unseres Glaubens willen!

Christus sagt weiter: „… Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15, 5)

Und diese Früchte des Geistes sollen heute reichlich sichtbar werden in unseren Gemeinden. So wie der Vater und der Sohn und der Heilige Geist ein untrennbares Miteinander bilden, so soll auch in und durch uns Gott in seiner Liebe lebendig wirksam werden. Und genau das führt uns auch zu einem liebevollen Miteinander unter uns Menschen.

In einer schönen Kindergeschichte wird erzählt, wie eine Familie mit zwei Kindern am Abendbrottisch sitzt. Max ist krank und hat keinen Hunger und lässt seine angebissene Schnitte auf dem Teller liegen. Sein kleinerer Bruder ist noch hungrig und greift zu dieser Schnitte und will sie aufessen. Die Mutter verbietet ihm das und sagt ihm, er könnte sich dadurch anstecken und auch krank werden. Die Eltern sehen, wie der kleinere Bruder eine kleine Weile nachdenkt und dann fragt: Wenn jetzt Max von meiner Schnitte abbeißen würde – und ich bin ja gesund – wird er dann auch gesund werden?

Wir dürfen uns durch Christus anstecken lassen zum Leben, uns infizieren lassen!

Wenn ich Wärme brauche, muss ich mich an den Ofen stellen. Wenn ich Leben haben möchte, muss ich nah an den heran oder sogar mitten in den hinein, der das Leben ist.

Lassen wir es mit Freuden und der notwendigen Geduld zu, dass Gott mich als mein persönlicher Maler mit jedem Pinselstrich zu seinem Ebenbild gestalten will – und das nicht nur in der Trinitatiszeit.

 

Euer Apostel Matthias Sieber

Apostelwort 1_2024

Ich ermahne euch –
passt euch nicht der Welt an!

(Römer 12, 1 + 2)

Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. (Römer 12, 1)

Liebe Schwester, lieber Bruder,

der Apostel Paulus schreibt an seine Schwestern und Brüder in Rom. Er möchte ganz nah bei seinen Geschwistern sein und sieht dabei ihre Sorgen und Nöte. Die Frage hierbei „Wie kann ich helfen? Was kann ich tun?“ kann sicherlich fast jeder von uns verstehen. Den richtigen Ton zu finden und dabei in aller Deutlichkeit die Probleme anzusprechen, ist nicht immer leicht. Schnell bauen wir eine Schutzwand auf, um vielleicht unser Gesicht zu wahren und gehen damit an der Hilfe vorbei. Es muss möglich sein miteinander zu reden, teilen zu können, Dinge auf den Punkt zu bringen. Die Ansage von Paulus „Ich ermahne euch“ wird sicher bei vielen Unmut und Ärger ausgelöst haben, aber er möchte die Dinge mit Namen benennen, die uns auf dem Weg zum Vater hinderlich sind.

Wie oft haben wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit verspürt oder sind achtlos daran vorbei gegangen? Der Apostel möchte Gottes Willen mit ganzem Herzen und Eifer für alle sichtbar machen. Hierbei sehen wir seine große Glaubenskraft und Ausstrahlung. Er ruft sie auf aktiv zu werden, den Auftrag, Gott wohlgefällig zu leben, anzunehmen. Wir kennen alle die Worte „Da müsste mal einer …“ und wenn es dann darum geht tätig zu werden, sind die Reihen sehr schnell leer. Mit den Lippen geht es schnell, aber die gute Tat kostet Kampf und Mühe. Wenn wir an Gottesdienst denken, verspürst du dann noch das Gefühl deiner Glaubensheimat, das Verbunden-Sein mit Schwester und Bruder? Wie gehen wir mit dem Wort der Predigt um? Und bewegen wir es in den Familien, in den Gemeinden? Kannst du in deiner Gemeinde reden, dein Herz ausschütten? Wir haben einen ganz einfachen, schlichten Glauben und dennoch sollen wir unsere Sichtweise und unser Verhältnis zu Gott, Christus und unserem Nächsten immer wieder überprüfen.

Was geben wir beide als Opfer, das Gott wohlgefällig ist? Wir nennen uns „apostolisch“ (gesandt sein) und sind doch sehr selten darin erkennbar. Wir dürfen durch unseren Lebenswandel dem Nächsten Vorbild sein – also anders, als die Welt uns erwartet. Sind wir beide dazu bereit und zeigen den Weg zu unserem Heiland und Erlöser auf! Paulus hat sich nicht versteckt, sondern ist auf die Menschen zugegangen. Er erzählte von der besten Sache der Welt.

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. (Römer 12, 2)

Wir haben es in unseren Händen, ob wir uns dieser Welt anpassen oder den Kampf gegen das Böse aufnehmen. Wie weit sind wir an vielen Stellen von Gottes Willen abgekommen und haben uns eigene Wertevorstellungen geschaffen … Um des lieben Friedens willen sind wir manchen Kompromiss eingegangen und mussten doch erkennen, dass dieser Frieden trügt. Gott hat uns Vollmacht gegeben, gegen den Zeitgeist zu kämpfen. Sind wir uns dessen bewusst?! Dazu ist Veränderung nötig, aber zum Guten, zu Gott. Erforschen wir Gottes Willen, seine Wahrheit! Uns begegnet an vielen Stellen Gleichgültigkeit, Herzenskälte, Selbstsucht und Trägheit. Es hat auch nicht vor den Toren des Apostelamtes Jesu Christi haltgemacht.

Wir haben so manche Tür geöffnet und wundern uns dann, wohin wir gekommen sind. Es ist nicht schlimm sich zu verändern. Wenn wir wollen, gibt Gott seinen Segen dazu. Uns mit Weisheit und Erkenntnis beschenken lassen, durch das Lesen der Heiligen Schrift in die Tiefe des Glaubens gehen … Wir sind der Wahrheit Gottes verpflichtet und nicht Traditionen und schon gar nicht sind wir verpflichtet, unsere Maßstäbe, Denkweisen und Sitten der Welt anzupassen.

Stolz, Eigenwille, Streitsucht und Habgier sind einige Eigenschaften, die wir in dieser Welt finden. Anders leben, uns anders verhalten, nicht auf Äußerlichkeiten bauen, sollen wir anstreben. Mit Christus als Vorbild unser Wesen verändern, uns verwandeln lassen – es ist ein Prozess der Umgestaltung und Erlösung. Sind wir dazu bereit? Wir können sicher sein, dass Gott das Herz ansieht und uns kennt und erkennt. Welcher Geist lenkt uns und welches Ziel haben wir vor Augen? Christus und Paulus trafen klare Aussagen, was Gottes Wille ist an uns, an mich. Wir dürfen und sollen alles prüfen: Bringt es mich und die Gemeinde näher zu Gott?

Lassen wir Gottes Geist unter uns wirken! Haben wir Hoffnung und Vertrauen, dass Gott es für uns wohl macht! Er ist der Schöpfer und er ist Allmacht. Gott segne uns dazu, schenke uns Frieden aus dem Glauben und in der Gnade, die er uns durch seinen Sohn zuteilwerden lässt.

 

Apostel Andreas Guse

 

Apostelwort 2_2024

Einmütigkeit statt Müdigkeit

An unserem diesjährigen Kirchentag wurden wir erneut zur Einmütigkeit aufgerufen – einer Einmütigkeit aller Christen! Wir sind aufgefordert, unser gemeinsames Ziel und Fundament Jesus Christus in den Vordergrund zu stellen und nicht die Unterschiede hervorzuheben.

Über Jahrzehnte hinweg waren wir (krampfhaft) be­müht, uns von anderen Christen bzw. christlichen Ge­meinschaften abzugrenzen und natürlich „besser“ dar­zustellen. Wir durften zwischenzeitlich erkennen, dass das ein falscher und nicht gottgewollter Weg war. Es ist allerhöchste Zeit, dass (mindestens) die Christen dieser Welt zusammenstehen – unabhängig von den unterschiedlichen, von Menschen erdachten und ein­geführten Ritualen oder „Gottesdienst­ord­nun­gen“ der einzelnen Kirchenabteilungen.

„Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernst­lich ist!“ (Jakobus 5, 16) lesen wir. Wie viel mehr mag dann eine einige Christenheit bewirken, die ge­mein­sam und ernsthaft im Gebet steht?!

Himmelfahrt und Pfingsten liegen vor uns. Aus der Apos­telgeschichte des Lukas (Kapitel 1, Vers 8) erfah­ren wir, dass Jesus vor seiner Himmelfahrt seinen An­hän­gern die Zusage gab, dass sie die Kraft des Heili­gen Geistes empfangen werden, der auf sie kommen wird.

Diese Zusage konnte sich meines Erachtens aber nur dadurch erfüllen, dass sie seinem Wort glaubten und alle – die Apostel „samt den Frauen und Maria, der Mut­ter Jesu, und seinen Brüdern“ – „einmütig fest am Ge­bet“ hielten (Lukas 1, 13-14).

Im 2. Kapitel der Apostelgeschichte berichtet Lukas von dem „Pfingstwunder“. Auch hier erfahren wir eingangs, dass sie „alle beieinander an einem Ort“ waren. „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Lukas 2, 2-4)

Es geht nicht unbedingt um die örtliche Nähe, obwohl dies durchaus auch eine wichtige Rolle spielen kann, sondern um die geistliche Verbindung.

„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in mei­nem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mat­thäus 18, 20)

Dieses vorgenannte „Brausen“ und der „gewaltige Sturm“, von dem bei dem „Pfingstwunder“ berichtet wird, steht für mich für „Reinigung“. Das „Verstaubte“, „Althergebrachte“, „Festgefahrene“ an Meinungen, Ge- und Verboten wird vielleicht ganz weggepustet oder auch nur „entstaubt“. Das sollte vor allem bei mir ganz persönlich beginnen. Bin ich tatsächlich bedingungslos offen für seinen Geist, sein Wort? Oder hindern mich meine eigenen Vorstellungen, Gedanken und Wünsche daran, Christus zu folgen?

Wir haben viel von den „großen“ Propheten und ihren Berufungen gehört. Es ging nie um ihre Wünsche, son­dern allein um ihre Bereitschaft, Gottes Auftrag zu er­fül­len und dienbar zu sein.

Wir leben in einer „Zeitenwende“ und es liegt heute an uns, wie es weiter geht. Genau darum ist es wich­tig, dass wir mit aller Ernsthaftigkeit und in der Ein­mütig­keit und Gemeinsamkeit aller Christen handeln.

Wie erwähnt ist das gemeinschaftliche, ernstliche Ge­bet eine besondere Kraft, die viel vermag.

Darüber hinaus können wir unseren Mitmenschen von dieser Hoffnung auf Christus berichten und ihnen einen Weg zum Frieden aufzeigen. Der Weg zum Frieden kann niemals durch Waffen erreicht werden, im Gegenteil nur durch Liebe. Darum sind die Christen auch in besonderer Verantwortung und Pflicht.

Möge sich das „Pfingstwunder“ noch an vielen Menschen vollziehen und der Heilige Geist wirksam werden.

 

„GOTT mit uns!“
Apostel Lukas