Apostelwort 5_2024

Fanget uns die Füchse,
die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben;
denn unsere Weinberge haben Blüten gewonnen.

(Hohelied Salomos 2, 15)

Das Hohelied Salomos im Alten Testament der Heiligen Schrift wird wahrscheinlich nicht so bekannt sein wie zum Beispiel die Bücher Mose oder die der Propheten. Aus dem Hebräischen übersetzt heißt das Buch eigentlich „Das Lied der Lieder“ und drückt sinngemäß die höchste Steigerungsform als „das schönste Lied aller Lieder“ aus. Die Bezeichnung „Hohelied“ geht dann auf die Übersetzung Martin Luthers zurück, der das Buch „Das Hohelied Salomonis“ nannte.

In der übertragenen Auslegung wird die sinnliche Annäherung, von der das Gedicht handelt, unter anderem als die Beschreibung der Liebe zwischen Gott und seinem auserwählten Volk bzw. zwischen Christus und der Kirche als Braut Christi interpretiert.

Das Hohelied ist nicht etwa ein Märchen, sondern eine wahre Lebensgeschichte, wie wir sie auch heute immer wieder erleben. Dabei geht es um Zuneigungen, Missverständnisse, Liebe und Enttäuschungen im Umgang miteinander – also alles Dinge, mit denen wir immer wieder in unserem Alltag zu tun haben. Das betrifft zum Beispiel auch unsere Liebe zu der Person, die Gott uns an die Seite gestellt hat. Das betrifft unsere Liebe untereinander als Schwestern und Brüder in der Gemeinschaft unseres Herrn Jesus Christus und das betrifft auch unsere Liebesbeziehung zu Gott, unserem himmlischen Vater.

Und das ist genau der Punkt, wo die Arbeit, „kleine Füchse zu fangen“, wichtig wird. Der oben genannte „Hab acht!“-Vers (so nenne ich ihn mal) aus dem Hohelied Salomos mahnt uns zu einer Zeit, wo mein/unser Verhältnis zu Gott und zum Herrn segensreich ist, also in Blüte steht. Da ist ein Zustand der Zufriedenheit, der Glückseligkeit in Bezug auf meine Gemeinde, auf meine Familie und auf meine Person. Alles scheint in bester Ordnung …

Dieser Vers erinnert uns, beständig wachend und aufmerksam zu bleiben. Denn gerade, wenn wir glauben, es sei alles in bester Ordnung, dann ist die Zeit des Verführers besonders groß. Diese „kleinen Füchse“, die doch so niedlich aussehen, die doch noch nicht gefährlich daherkommen, das sind dann zuerst kleine Nachlässigkeiten, unreine Gedanken oder auch sogenannte Bagatellen. Dann kommen diese „kleinen Füchse“ mit verletzenden Worten daher und bringen unnötige Zerwürfnisse in unseren Beziehungen hervor, die ansonsten so schön sein könnten. Und es sind da die „kleinen Füchse“ von Neidereien, von Missgunst, von Gedanken mit Zweifel und Hader, die unsere Liebe zueinander und unsere Gemeinschaft mit dem Herrn belasten.

Achten wir auf diese „kleinen Füchse“! Es kann so vieles sein: dein Hobby, deine Leidenschaften, so manche Lüste und Begierden, Egoismus, Selbstsucht, das Streben nach eigener Ehre oder sonstige „Zeitfresser“. Wie kleine Füchse im Weinberg sind unsere unterschätzten „kleinen Sünden“, an denen wir hängen und die wir allzu gern rechtfertigen.

Was passiert mit unserem Glaubensleben, mit unserer Gemeinschaft im Herrn oder auch in unserer Familie, wenn keine Frucht sichtbar ist, weil wir zugelassen haben, dass das Wurzelwerk, also der geistliche Nahrungsstrang, beschädigt bzw. sogar zerstört ist? Das beschriebene Bild vom Weinberg hat mich persönlich sehr angesprochen und nachdenklich gemacht. Wir sind mit dem Heiligen Geist beschenkt, der für uns Tröster, Kraftquell und Freudenquelle zugleich ist. Aber nutzen wir diesen Vatergeist auch dafür, um regelmäßig (beständig) unsere Gedanken, Worte und Handlungsweisen im Licht des Evangeliums Christi zu überprüfen?

Fragen wir uns, ob es nicht auch in unserem Leben Dinge, Gewohnheiten, festgezurrte Glaubensstandpunkte oder Eigenarten gibt, die wirkliche geistgetriebene Frucht in unserem Leben verhindern! Kann es sogar sein, dass diese „kleinen Füchse“ alle Lebenskraft aus uns heraussaugen und wir im Gebot Christi „Gott und deinen Nächsten zu lieben“ (siehe unter anderem Markus 12, 30-31) nachlässig, schwach und unsichtbar sind?

Du kannst mir glauben, meine liebe Schwester, mein lieber Bruder, auch in meinem eigenen Leben musste und durfte ich erfahren, dass „kleine“ Dinge großen Schaden anrichten – großen Schaden deshalb, weil die Schäden, die an Geist und Seele entstehen, vielfach erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt werden.

In der Apostelgeschichte 2, 42 steht der für uns so lebenswichtige Ratschlag geschrieben, um diesen „kleinen Füchsen“ in meinem Inneren entgegenzutreten und sie rechtzeitig zu erkennen: „Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“

Nur wenn ich dem, was Gott mir heute durch seine Boten (Gott im Fleisch) sagt, ernsthaften Wert beimesse, werden diese Worte „Geist und Leben“ für mich. „Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“ (Lukas 11, 28)

Bleiben wir achtsam! Der Fürst dieser Welt schläft nicht! Er wird immer wieder versuchen, durch sein lässiges, verführerisches Wesen dich und mich vom Weg und vom Ziel des ewigen Lebens abzubringen. „Ist doch alles nicht so schlimm“, „Sollte Gott wirklich gesagt haben …“, „Wenn es einen Gott geben würde, dann …“, „Das haben wir immer schon so gemacht!“ usw. sind solche Sätze, die uns unter Umständen nachlässig, leichtsinnig oder sogar „geistlich blind“ werden lassen. Und wenn wir diesen Gedanken nachgeben, laufen wir Gefahr, uns unserer geistlichen Wurzeln zu berauben. Sie werden gekappt und sind doch eigentlich dazu da, um Wasser (das Wort Gottes) als Nahrung für unsere Seele aufzunehmen. Wenn wir in unserem Leben nicht mehr tief verwurzelt sind oder die Wurzeln gekappt sind, dann ist kein Halt mehr in deinem geistlichen Leben und wir können keine Nahrung mehr aus der Lebensquelle Christus beziehen. Dann verlieren wir die Basis, die Liebe untereinander und die Liebe zum Herrn.

Der bekannte Dichter Johann Wolfgang von Goethe sagte dazu: „Achte auf deine Gedanken, sie werden zu Worten. Achte auf deine Worte, sie werden zu Handlungen. Achte auf deine Handlungen, sie werden zu Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, sie werden zu Charaktereigenschaften. Achte auf deinen Charakter, er wird dein Schicksal.“

Ich wünsche uns von ganzem Herzen, dass wir durch den Heiligen Geist unsere „kleinen Füchse“ erkennen und „fangen“ können, damit sie keinen nachhaltigen Schaden in uns und in unserer Glaubensgemeinschaft anrichten, sondern dass wir wahre geistliche Frucht bringen, die Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus zur Ehre gereichen.

Möge das Wesen und Wirken Jesu Christi in unseren Herzen immer mehr Wohnung machen, so dass ER unsere Gedanken und unsere Handlungen regiert. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15, 5)

 

Liebe Grüße und ein herzliches „Mit Gott!“
Apostel Frank Laeufer

 

Apostelwort 6_2024

Gottes Geschenk zur Weihnacht

Wenn wir in den nächsten Tagen das Weihnachtsfest feiern, erinnern wir uns an die Geburt unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium beschreibt uns auf wunderbare Weise Gottes Wirken – das vor langer Zeit durch Propheten angekündigte Geschenk Gottes an uns Menschen ist übergeben worden. Noch deutlicher finden wir diesen Gedanken im Johannesevangelium (Johannes 3, 16) formuliert: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Gott gab einer Menschheit sein Liebstes: ER hat uns mit seinem Sohn beschenkt. In Jesus von Nazareth wurde Gott Mensch und hat seiner Schöpfung den Weg zu Heil und Rettung gebracht. Wir tun gut daran, den wahren Inhalt des Weihnachtsfestes und das Geschenk Gottes immer wieder in den Mittelpunkt dieser Tage zu stellen.

Doch haben wir dafür noch Zeit – in einer von Hast und Hektik geprägten Gegenwart? Wie so oft haben sich mit einem guten Gedanken versehene Bräuche am Ziel vorbei (sündhaft?) verselbständigt.

Für viele Menschen gehören Geschenke zum Alltag, auch zum Weihnachtsfest. Es ist etwas Schönes und Verbindendes, unsere Lieben zu beschenken. Und da es vielen Menschen in unserem Land gut geht, praktizieren wir diesen Brauch mitunter sehr intensiv.

Aber wo kommt eigentlich diese verführerische Tradition her? Im Mittelalter war es üblich, im Gedenken an den Bischof von Myra (Legende vom Heiligen Nikolaus) den Kindern und Armen zum 6. Dezember kleine Geschenke zu machen. Martin Luther wollte in seiner Zeit etwas gegen die überall präsente Heiligenverehrung tun. So begann er, am Weihnachtstag die Familie zu versammeln, um die Geburt des Herrn zu feiern. Um die Bedeutung dieses Festes hervorzuheben, gab es für alle kleine Geschenke. Waren es anfangs bescheidene Gaben (Nüsse, Äpfel, Basteleien, …), bestaunen wir heute eine fast grenzenlose Vielfalt einer auf alle unsere Wünsche ausgerichteten „Weihnachtsindustrie“.

Wir sollten den maßlosen Zeitgeist nicht gedankenlos an uns heranlassen, damit der eigentliche Sinn dieses Festes nicht verdrängt wird oder sogar verloren geht. Ich muss mich hinterfragen, ob bei mir noch ehrliche Freude an Gottes heiliger Gabe, seinem Geschenk der Weihnacht, im Mittelpunkt steht.

Wäre es daher nicht segensreich, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen, um für das Wesentliche auch Zeit zu haben? Es gibt unter uns viele Mitmenschen und Glaubensgeschwister, die sich wegen des ganzen Drumherums der Vorbereitungen (übertriebener Geschenkestress, durchorganisierte Familienbesuche, auf­wendige Weihnachtsessen, …) auf dieses Fest gar nicht mehr freuen können und sich vom angeblich schönen Weihnachtsfest bedrängt fühlen …

Nichts von dem eben als „Drumherum“ Beschriebenen möchte ich in ein schlechtes Licht rücken; jedes Einzelne darf auch in unserer Zeit seinen Platz haben. Wenn wir es mit dem rechten Maß, mit Liebe tun und uns darin mit unserem Schöpfer, dem wahren Geber der Weihnacht, und seinen Absichten verbinden. Der gottgewollte Inhalt sollte niemals durch eine kunstvolle Verpackung verdrängt werden. Hier beginnt nämlich das Werk des Verführers.

Weihnacht – der Christ Gottes ist geboren. ER wurde uns in die Schöpfung als Gottes Heilsplan geschenkt. Gott will alle Menschen vom Fluch der Sünde erlösen und ein ewig währendes Leben in seinem Reich schenken.

In der Vorfreude und Erwartung auf diese Zusagen sind auch wir heute aufgerufen, diese Heilsbotschaft anzunehmen und weiterzutragen und dadurch unseren Mitmenschen einen Weg zu Gottes Frieden aufzuzeigen.

Wenn wir versuchen, das „irdische Grundrauschen“ zu reduzieren, können wir die (Vor-)Freude auf das Weihnachtsfest wiederbeleben und das Geschenk Gottes in die Mitte dieses Festes stellen. Das wäre nicht nur schön, sondern richtig. Lassen wir uns vielmehr von der Weihnachtsgeschichte inspirieren und nehmen wir die darin enthaltene Botschaft an!

Ich bin überzeugt, dass auf diese Weise ein lebendiger Segen zur Weihnacht sichtbar wird. Wir hätten wieder mehr Zeit, uns ungezwungen und mit fröhlichem Herzen zu Gott zu nahen, verbunden im gemeinsamen Loben und Danken. Ehrlich dankbare Herzen zu sehen, würde unseren Herrn sicher freuen.

Vielleicht hätten wir dann auch mehr Freiraum, das Weihnachtsfest mit christlichen Inhalten zu füllen. Wäre das nicht ein im Sinne unseres Vaters weitergegebenes Geschenk, zum Beispiel zu unseren Gottesdiensten Gäste einzuladen (unsere Kinder/Familie, ehemalige Geschwister, Nachbarn oder Arbeitskollegen, …)?

Wir könnten auch die Gottesdienste oder Gemeindebegegnungen in dieser Zeit bewusst bei der Planung unserer Familientreffen berücksichtigen, als Teil oder Anlass der Treffen.

Auch die bewusste Auswahl für ein kleines Geschenk, wie zum Beispiel eine Kinderbibel an unsere Jüngsten (mit dem Versprechen, die darin beschriebenen Geschichten vorzulesen), würde weihnachtliche Gedanken und die heutigen Bräuche verbinden.

Lassen wir uns berühren, diese Gedanken zu bewegen! Ich bin mir sicher, dass sie uns zu einem gesegneten Fest und zu Gottes Frieden führen.

Liebe Schwestern und liebe Brüder, liebe Kinder und liebe Freunde,

im Namen aller Apostel der Apostelkonferenz möchte ich euch und euren Lieben gesegnete Tage in der Adventszeit sowie ein frohes Weihnachtsfest wünschen.

 

Apostel Hardy Grothe