Apostelwort 3_2026

Gottes Wirken im Fleisch und
die Wiederkunft Jesu Christi

 

Liebe Geschwister in Christus, unserem Herrn,

schließen sich die Lehre von Gott im Fleisch und die verheißene Wiederkunft Christi gegenseitig aus? Das ist eine
Frage, die den einen oder anderen in dieser Zeit in unserer Kirche umtreibt und ich möchte gleich am Anfang meiner
Ausführungen die Antwort darauf geben: Wenn wir die Heilige Schrift als unsere Grundlage nicht nur ansehen, sondern
intensiv in ihr lesen und sie zu Rate ziehen, dann erkennen wir, dass beide Aussagen einander bedingen.

Die Grundlagen unseres Glaubens stehen auf dem Fundament der Heiligen Schrift, Altes und Neues Testament.
Darüber hinaus zählen wir unser Glaubensbekenntnis – das Apostolikum, das Vaterunser, die Heiligen Zehn Gebote,
das Sakrament der Heiligen Taufe, das Sakrament der Heiligen Versiegelung und das Sakrament des Heiligen
Abendmahls zu den Schwerpunkten unseres christlichen Glaubens. Alle unsere Glaubensgrundlagen sind im „Ratgeber
und Wegweiser“ aufgeschrieben, der in jedem apostolischen Haus vorhanden (und in Gebrauch) sein sollte.

Mit dem 2. Mai 1902, dem Tag der Berufung des Ältesten Julius Fischer zum Apostel Juda, wurde die Glaubensaussage
von der Gegenwärtigkeit Jesu Christi wieder zum zentralen Mittelpunkt. Dabei ging Apostel Juda jedoch davon
aus, dass sich die Wiederkunft Jesu Christi in seiner Person bereits vollzogen habe. In diesem Zusammenhang hat
er eine Lehre von „Gott im Fleisch“ begründet. Aus der Heiligen Schrift, insbesondere aus dem Beginn
des Johannesevangeliums  erfahren wir, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus Fleisch geworden ist.
Wir bekennen die Einmaligkeit unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi und unterscheiden heute
zwischen seiner Auferstehung, die heute seine Gegenwärtigkeit zur Folge hat,
und seiner noch bevorstehenden verheißenen Wiederkunft.

Aussagen zur Wiederkunft Christi bzw. zu seinem „Wiederkommen“ können wir in der gesamten Heiligen Schrift, im
Alten und im Neuen Testament, an verschiedenen Stellen nachlesen.

Im Alten Testament finden wir diesbezüglich hauptsächlich Aussagen, die durch prophetisches Wort
bestimmte Situationen und Geschehnisse beschreiben und sich beim ersten Kommen Christi noch nicht erfüllt haben.
Im Glauben an die Wahrheit von Gottes Wort können wir sicher davon ausgehen, dass sich diese Prophetien
noch erfüllen werden. Im Neuen Testament ist es der Herr selbst, der zu seinem „Wiederkommen“
deutliche Aussagen trifft. Dazu finden wir in fast allen Briefen der Apostel wie auch in der Offenbarung
des Johannes weitere Aussagen und Hinweise.

Das, was Gott von Beginn seiner Schöpfung an wollte, nämlich eine ewige Gemeinschaft in Frieden mit seinem
Ebenbild und der gesamten Schöpfung, was durch die Sünde zerstört wurde, das hat er in seinem Heilsplan, seinem
Erlösungswerk nie aus den Augen verloren. Die verheißene Wiederkunft Jesu Christi wird dieses göttliche Ziel wieder
und endgültig herbeiführen. Einen Vorgeschmack auf diese verheißene Zukunft können wir unter anderem beim
Propheten Jesaja im Kapitel 65 nachlesen:

„Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken
und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn
siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und
mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“

Und weiter:

„Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf
und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde
fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.“

Gott, unser himmlischer Vater verheißt ein ewiges Reich als einen Bereich einzigartigen Segens. Wenn der Herr sein
Reich von Frieden und Gerechtigkeit aufrichtet, wird er erfüllen, was unter anderem in diesen Versen geschrieben
steht. Es ist ein Abschnitt, der vielleicht mehr als jeder andere Abschnitt in der Heiligen Schrift den Wohlstand und
den Segen dieser kommenden Zeit beschreibt. Diese Beschreibung des göttlichen Friedensreichs ist die Erfüllung
aller Verheißungen Gottes an sein Volk. Der Herr ruft uns auf, uns zu freuen und für immer zu jubeln über das, was
er in Bezug auf seine Kinder schaffen will. Es wird keine Trauer mehr zu finden sein, sondern eine ewige Freude.
Selbst die Schlange wird nichts Böses mehr anrichten, weil alles unter der Kontrolle des Menschensohnes steht.
Was für eine wunderbare Heilsgewissheit!

Trotz dieser Vorfreude heißt es für uns in unseren heutigen Tagen weiterhin, wachsam und betend zu bleiben. Der
Herr hat es im Lukasevangelium Kapitel 12, 45 ff. klar vorhergesagt, dass in dem Moment der Riss in seiner Gemeinde
sein wird, wo die Erwartung an seine Wiederkunft aufhört. Auch wir hatten die Augen dafür verloren, aber wir
beginnen, es wieder zu sehen. Und damit wird auch unser Auftrag wieder klarer. Wir sind nicht zu unserem Selbstzweck
da, sondern stehen in dem Auftrag, der Welt die Hoffnung der frohen Botschaft Jesu Christi nahezubringen
und zu verkünden. Dabei ist die Verheißung der Wiederkunft Christi eine zentrale Botschaft in der Verkündigung des
Evangeliums unseres Herrn. Auch wenn wir in unterschiedlichen und vielfältigen Anfechtungen leben, dürfen wir
unseren Auftrag nicht vergessen. Denn der Herr hat uns in die Welt gesandt, zu lehren, zu taufen und seine Liebe
allen Menschen zu bezeugen. Nur so zeigen sich unsere Treue zu Jesus Christus und unser Vertrauen, auch in
schwierigen Zeiten auf ihn zu bauen. Das sind nachhaltige und wirkungsvollere Zeugnisse als alles Reden. Und dazu
hat er uns zum Einen verheißen „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28, 20) und
zum Zweiten „… ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine
Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apostelgeschichte 1, 8).

Die Zusage unseres Herrn Jesu Christi, bei uns zu sein, drückt seine Nähe und unmittelbare Erreichbarkeit aus. Das
ist das gegenwärtige Wirken Gottes, das sich auch heute in der Wirksamkeit des dreieinigen Gottes in und durch
Menschen offenbart. Die Dreieinigkeit ist die Einheit zwischen dem Vater als dem Sendenden, dem Sohn als dem
Dienenden und dem Heiligen Geist als dem Zeugenden. Für die Gemeinde ist Jesus Christus das Haupt; wir Gläubigen
dürfen durch die Heilige Taufe Glieder am Leibe Christi sein. In dieser Gegenwärtigkeit des Herrn wird Gottes
Wort durch Menschen hör- und sichtbar. Gemeint ist damit nicht eine rein fachliche Lehre oder Grundsätze über
göttliche Dinge.

Wo das Wort Gottes offenbar wird, da berührt sein Heiliger Geist den Menschengeist, da wird Gottes Nähe erlebbar
in Ratgebung und Wegweisung, als Trost und als Kraftquell. Das Wort Gottes ist nicht etwas, was bloß aus der
Vergangenheit stammt (Gott sprach), sondern es ist eine göttliche Mitteilung in der Gegenwart. Gott spricht! Das
Wort Gottes, gewirkt durch den Heiligen Geist und gesprochen durch Menschen, ist ein Wort voll Kraft und Leben.
In diesem ist der Herr gegenwärtig. Das heißt, in bzw. unter den Predigten und Reden der Boten ist Gott heute
gegenwärtig. Und das wiederum bedeutet, wenn unter der Verkündigung unser Herr und Heiland Jesus Christus den
Zuhörern nahe ist, kommt es zu einem Aufhorchen, das zu Glauben führt.

Liebe Schwester, lieber Bruder,

vielleicht fragst du dich jetzt, ob unsere Lehre jahrzehntelang eine falsche Lehre war? Nein, das war sie nicht. Nur
die Aussage von der vollzogenen Wiederkunft war falsch. Zeit seines Lebens unterliegt der Mensch einem ständigen
Prozess der Veränderung, Veredlung und Vervollkommnung. Die Grundlage und der Quell dieses Prozesses sollte
unser Bitten sein: „Heiliger Vater, heilige uns in der Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit“. Unsere Erkenntnis zur
Wiederkunft ist heute eine andere, aber das gegenwärtige Wirken Gottes war zu allen Zeiten in unserer
Kirche Apostelamt Jesu Christi immer mit Segen verbunden. Unsere geistlichen Mütter und Väter haben
durch ihre unermüdliche Arbeit und Seelsorge in vielen Herzen, Familien und Häusern
einen starken Glauben entfacht, der sich vielfältig in Zeiten von Not und Trübsal bewährt und weiter gebaut hat.
Nutzen wir unser Leben dazu, um davon zu zeugen und Barmherzigkeit zu üben und vertrauen wir dabei
allein auf Gott und auf seinen Sohn Jesus Christus!

„Wohlzutun und mitzuteilen!“ – in diesem Dienst steht unser aller Sendungsauftrag.

Die Bestimmung der Kirche Christi ist die Vorbereitung der Gemeinde (Braut)
auf die Wiederkunft des Herrn (Bräutigam). Daraus ergibt sich ein Auftrag der Apostel, mit allen Sakramenten,
Gottesdiensten und Amtsträgern darauf hinzuwirken. Gottes Auftrag an uns ist es, in der Kraft
des Heiligen Geistes zum Wohle der Gemeinschaft und zum Segen der Welt zu wirken.

Bleiben wir beständig in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes unter Brüdern und Schwestern, wo die Liebe und
die Eintracht wohnen, um uns auf die Wiederkunft unseres Herrn vorzubereiten! Jesus Christus will, dass wir dort
sind, wo er ist. „Herr, dein Reich komme, dein Wille geschehe.“

Apostel Bartholomäus