Apostelwort 6_2025

Der Neujahrstag und die Epiphanias-Zeit

 

Liebe Geschwister in Christo Jesu, unserem Herrn,

 

der vor uns liegende Jahreswechsel übt trotz seines weltlichen Ursprungs eine besondere Faszination auf viele Menschen aus. Es ist eben nicht nur eine Veränderung beim „Datum-Schreiben“, an die man sich erst wieder gewöhnen muss. Viele Menschen nutzen den Jahresausklang für gemeinschaftliche Begegnungen im Großen oder Kleinen und den Start ins neue Jahr für gute Vorsätze. Diese Einstellung oder Lebensart ist sicher nicht verwerflich.

 

Nicht immer bleibt es bei gesegneten Begegnungen am Silvesterabend und auch manch guter Vorsatz ist schnell vergessen. Dann beginnen wir mit der stets in Reserve gehaltenen Argumentation, dass Neujahr über-haupt keinen kirchlichen Bezug hat und stellen auch unseren Gottesdienst zum Neujahrsmorgen gern in Frage …

 

Doch welchen Segen kann uns eine bewusste Hinwendung zum Neujahrstag denn bringen?

 

Ich erinnere mich eines Satzes, den mein Opa in jedem seiner Gebete benutzte – „Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der beste Lebenslauf“. Ich mag diesen Gedanken, auch wenn ich ihn selbst im Wortlaut nicht so verwende. Alles, was vor uns liegt, mit Gott zu beginnen und auch dankbar abzuschließen, sollte mehr sein als nur die Tradition einer aussterbenden Generation. Dieses urapostolische Gedankengut macht mich frei von einer konstruierten, theologischen Betrachtung des Neujahrstages und kann mir helfen, den Segen Gottes für alle Wege zu suchen (im Natürlichen wie auch im Geistlichen). Und ich bin mir sicher, wohin wir gehen, dort will Gott auch sein. Er will bei uns – mehr noch „in uns“ – sein und uns auf allen Wegen begleiten. Was für ein schöner Ausblick ins neue Jahr …

 

Wie gelange ich jedoch an Gottes Segen? Auf welchem Weg wird Gott auch im neuen Jahr an meiner beziehungsweise an unserer Seite sein?

 

Aus eigenem Erleben empfinde ich die Dankbarkeit Gott gegenüber als einen entscheidenden Punkt. Wenn ich mir darüber im Klaren bin, dass ich alles in meinem Leben Gott zu verdanken habe, kann ich nicht anders als dankbar zu sein. Doch es geht mir nicht nur um ein kurz gemurmeltes „Danke, Herr“. Wir sollten uns Zeit fürs Danken nehmen. Nur wenn unser Geist zur Ruhe kommt, kann er sich im lebendigen Danken (und Loben) mit Gott im Heiligen Geist verbinden.

 

Dieses Erkennen weckt aber auch Sehnsüchte in mir. Und das ist vermutlich auch genau so beabsichtigt.

 

Ich möchte im neuen Jahr wie-der Gottes Segen erleben, weil mir bewusst geworden ist, dass darin alles begründet liegt. Im GB-Lied Nr. 373 singen wir: „Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen …“

 

Wäre es nicht ein guter Start ins neue Jahr, wenn wir uns mit Sehnsucht im Herzen auf einen gemeinsamen Gottesdienst mit Gebet, Gesang, Predigt und seinem Segen sowie vielen vertrauten, lieben Geschwistern freuen würden? Wir teilen sicher sehr viele gemeinsame Wünsche; darin sollten wir uns gegenseitig stärken und Mut machen. Ich freue mich beim Gottesdienst zum Neujahrstag mehr über die Geschwister, die ich sehen darf (auch wenn wir uns vielleicht etwas müder fühlen als sonst), als dass ich mich über die ärgere, die nicht da sind.

 

Zusätzlich zum Vorgenannten erinnert sich die Kirche Christi an diesem Tag (8. Tag nach der Geburt) auch an die Beschneidung und Namensgebung Jesu. Der Name Jesus heißt im Hebräischen Jehoschua und bedeutet so viel wie „Gott rettet“. Die Evangelisten und auch die Engel Gottes haben diese Botschaft im Neuen Testament durch berührende Beschreibungen und Bilder für uns festgehalten. Die Frohe Botschaft hatte zum Inhalt: Der Retter ist da! Das gilt noch immer, auch für uns heute.

 

Letztlich bleibt es aber meine Entscheidung, ob ich in allem, was mir Gott heute anbietet, Heil und Rettung für mein Leben erkennen kann.

 

Eigentlich gibt es keinen Grund, sich gegen den Neujahrstag als Feiertag mit Gottesdienst in unserer Kirche zu wehren. Vielmehr sollten wir alles in und unter Gottes Segen suchen und nach seinem Willen an uns heranlassen.

 

Mit der Epiphanias-Zeit verbinden wir ein paar sehr interessante Begebenheiten aus der Bibel – den Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland an der Krippe im Stall von Bethlehem, die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan und das vielleicht sonderbarste Geschehen/Wunder bei der Hochzeit zu Kana, als Jesus das Wasser in den Reinigungskrügen in Wein verwandelte. Jede einzelne dieser Geschichten wäre es wert, sich ausführlich damit zu beschäftigen und dabei tief in die jeweilige Bedeutung einzutauchen. Das wäre nicht nur hilf- und lehrreich, sondern meines Erachtens sogar (heils-) notwendig, um uns die Epiphanias-Zeit zu erschließen. Doch ich bin mir sicher, dass uns dazu die Epiphanias-Sonntage mit ihren Textworten gute Gelegenheiten bieten werden.

 

Immer wieder geht es um die Bedeutung der Aussagen aus der Heiligen Schrift in Bezug auf unser Leben bzw. unsere Gegenwart. Genau an der Stelle, wo die berührenden Geschichten enden, beginnt nämlich unser persönlicher Glaubensweg „als Christ heute in Erscheinung zu treten“. Auch wenn diese Worte nicht mehr zeitgemäß klingen, wissen wir um den darin enthaltenen Auftrag. Gott ist damals durch seinen Sohn in Erscheinung getreten. Jesus erfüllte die prophetischen Worte aus dem Alten Testament und brachte als Christus das Heil für ein ganze Welt. Wir haben heute den Auftrag, den Menschen in unserem Lebensumfeld diese „froh machende Botschaft“ zu bringen und vorzuleben. Es geht um mich persönlich, um uns als Gemeinschaft im Apostelamt Jesu Christi – um eine lebendige Beziehung zu Gott und seinem Sohn. Immer dann treten besondere Dinge in unser Leben, wenn wir eine ganz große Nähe zu Gott haben.

 

Spüren wir nicht im Alltag, dass es viele Menschen gibt, die voller Sorge in diese Zeit schauen und sich ein helfendes Eingreifen Gottes wünschen? Apostel Paulus schreibt dazu im Römerbrief vor 2000 Jahren sinngemäß ähnliche Gedanken: „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.“ (Römer 8, 22). Im Vers 19 hatte er die mögliche Erfüllung so formuliert: „Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.“ Sind wir uns dieses Auftrages bewusst? Wäre es nicht ein umfassender Segen, wenn sich alle Christen gegenseitig stärken und wir als Nachfolger Christi überall sichtbar würden?

 

Zum Abschluss meiner Gedanken will ich aber keine Forderung an andere richten. Vielmehr geht es darum, dass zuerst ich mich ernsthaft bemühe, als apostolischer Christ erkennbar zu sein. Und wenn wir uns dann noch in diesem Geist verbinden, bin ich überzeugt, dass Gott uns seine Kraft zum Vorleben und Weitertragen dieser Botschaft schenkt.

 

Möge uns Gott mit seinem Geist ins Neue Jahr führen.

 

 

Apostel Hardy Grothe